Stressprävention durch Stressexpertise

Warum ist Prävention so wichtig? Wir wollen Gesundheit erhalten statt Krankheit bekämpfen!

Wie macht der Einzelne das?

• Wissen und Techniken aneignen

• wissenschaftlich anerkannte, wirksame Verfahren kennen

• ein ganzheitliches Verständnis mit psychischen und physischen Faktoren nutzen

• professionelle Hilfe selbstverständlich, frühzeitig und begleitend in Anspruch nehmen

 

Was bedeutet Stressprävention?

• Die Psycho-Biologie von Stress verstehen, positive wie negative Stressmechanismen kennen, sich Stressexpertise aneignen.

• Neben der Stresswahrnehmung auch die Biomarker von Stress berücksichtigen, denn subjektive erlebter Stress bedeutet nicht unbedingt hohe Stressbiomarker, und umgekehrt können die Stresshormone deutlich erhöht sein ohne dass es uns subjektiv schlecht geht. Es sind zwei Seiten einer Medaille!

• Individuelle Maßnahmen ergreifen: dies schließt Bewegung, Ernährung (auch klinisch anerkannte Nahrungsergänzungsmittel), Verhalten, Veranlagung & Ressourcen ein.

• Dauerhaft in die tägliche Gesundheitshygiene aufnehmen. Auch mit der Mundhygiene beginnt man nicht erst bei Kariesbefall!

Warum eignet sich der Arbeitsplatz bei der Stressprävention besonders?

• Private Stressfaktoren trägt man mit an den Arbeitsplatz und dies beeinflusst die Gemeinschaft,

• der Arbeitsplatz kann eigene Stressfaktoren mit sich bringen (Lärm, Auftragslagen, Mangel an Fachkräften,…),

• die Erreichbarkeit der Personen ist gut um Wissen zu vermitteln und Angebote zu machen: die Gesunden arbeiten daher muss hier Prävention ansetzen, und

• der Nutzen ist für beide Seiten, den Einzelnen und das Unternehmen, groß.

Stress verstehen

Allgemein verstehen wir unter Stress eine Belastung des Individuums, welche die Möglichkeiten damit umzugehen (Ressourcen) übersteigen. Die Auslöser, sogenannte Stressoren, werden in interne (z.B. Perfektionismus) und externe Stressoren (z.B. Job, Lärm, soziale Konflikte,Einsamkeit, Mehrfachbelastung, ...) unterschieden und können individuell sehr unterschiedlich sein Auskunft über die Stressbelastung einer Person erhalten wir zum einen über die subjektive Information (wie gestresst fühle ich mich) und über sogenannte Biomarker der wichtigsten Stresssysteme unseres Körpers. Hier muss man wissen, dass die subjektive Stressbelastung und die Biomarker nicht immer übereinstimmen, daher ist es für ein ganzheitliches Bild immer wichtig alle Informationen zu haben.

Drei weiteren Aspekten kommt bei der Beurteilung von Stress eine wichtige Rolle zu:

(1) die Dauer der Stressoren: kurz und vorübergehend oder lang und dauerhaft? Wir sprechen von akutem oder chronischen Stress;

(2) die Intensität der Stressoren: leicht und mit eher „nervigem“ Charakter oder handelt es sich um starken oder traumatischen Stress?

(3) die eigene Veranlagung und unsere Ressourcen? Hier können beispielsweise Stressachsen durch Stress in der Schwangerschaft oder frühen Kindheit lebenslang Auswirkungen zeigen.

Während kurzfristiger Stress in aller Regel gut  ist, ja sogar leistungsfördernd sein kann, ist dauerhafter oder besonders starker Stress schädigend. Wann und wie Stress eine Person krank macht, hängt wiederum vom Individuum und seinen Ressourcen ab. Wobei letzteres von weiteren Faktoren wie beispielsweise Lebensstil und sozialem Umfeld abhängt.

Während man im Gespräch oder auch mit Hilfe von speziellen Fragebögen die Stresswahrnehmung erfassen kann, wird das Bild durch messbare Biomarker für Stress vervollständigt. Eine besondere Rolle spielt das Stresshormon Cortisol: es wird besonders in Situationen, die neu, mehrdeutig, unvorhersehbar im Verlauf sind und die eigene Person in Frage stellen, aktiviert. In solch einer Situation ist das Gehirn besonders gefordert und benötigt Energie, welches das Cortisol durch Glukosefreisetzung mobilisiert. Ist man also dauerhaft in solch einer Situation und überfordert, resultiert dies zunächst in einer Überaktivierung und dann in einer Erschöpfung.

Hier kommt Stressprävention durch Stressexpertise eine besondere Bedeutung zu. Besonders dort, wo Menschen sich im Alltag viel gemeinsam aufhalten wie beispielsweise am Arbeitsplatz, liegt ein großes Potential vernünftige, d.h. wissenschaftlich belegte Informationen vorzuhalten. Wir müssen lernen jenseits des inflationär gebrauchten Begriffs Stress, chronischen oder traumatischen Stress als Quelle möglicher Erkrankungen zu erkennen. Denn Stressexpertise vermittelt nun nicht nur im Vorfeld Wissen zu Stress, sondern lässt auch Frühwarnzeichen erkennen, die Hinweise auf eine zu starke Stressbelastung sind. Häufig zählt zu den ersten Anzeichen beispielsweise ein veränderter Schlaf, der wiederum den Körper schwächt, ihm so die notwendigen Ressourcen entzieht.

Wie sieht individuelle Stressprävention durch Stressexpertise nun für den Einzelnen konkret aus?

• Ich eigne mir eine solide Wissensgrundlage zu positiven und negativen Auswirkungen von Stress und den psychobiologischen Faktoren an.

• In eine Beurteilung meiner Stressbelastung fließen neben dem subjektiven Stressempfinden auch Biomarker wie Cortisol, Herzratenvariabilität und Schlafanalyse mit ein um ein ganzheitliches Bild zu erhalten.

• Ich kenne meine eigenen Schwachpunkte und Ressourcen und gehe achtsam damit um.

• Ich erlerne früh Techniken zur Entspannung oder zum Stressmanagement, damit ich in  stressigen Lebensphasen früh geeignet reagieren kann.

• Ich kenne und nutze niederschwellige, professionelle Hilfsangebote, die ich früh und kurzfristig als begleitende Hilfsmaßnahme in Anspruch nehmen kann.

• Ich bin bereit, Stressfaktoren einen ähnlichen Stellenwert wie dem täglichen Zähneputzen und den Zahnkontrollen in meiner Gesundheitshygiene einzuräumen und reagiere nicht erst, wenn ich Probleme durch Stress spüre.

• Ich erkenne, dass Belastung durch Stress kein Einzelfall ist, sondern dass man sinnvoll im Austausch miteinander gemeinsam agiert. Dies schließt vor allem Maßnahmen in Schulen und an Arbeitsplätzen ein.

Stress messen

Beim Thema Stress geht es, wie so oft im Leben, um die Balance. Das gilt auch für die Stresshormone, allen voran für das Cortisol: dauerhaft zu viel, aber auch zu wenig ist nicht gut. Daher ist die Stressmessung ein wichtiger Weg, um einen Einblick über die eigene Stressbelastung zu erhalten und einen Ansatz für individuelle Interventionen zu finden. Der Vorteil der hier vorgestellten Stressmessungen ist, dass sie von jedem selbst in seiner gewohnten Umgebung durchgeführt werden können. Die gemessenen, biologischen Ergebnisse und Befunde können einen wichtigen Einblick über die physiologische Situation im Körper geben und so eine zu starke, andauernde Stressbelastung erkennen - selbst wenn wir diese Signale subjektiv noch nicht wahrnehmen.

Durch die Freisetzung des körpereigenen Hormons Cortisol mobilisiert der Körper den Energielieferanten Glukose. Bei Stress steigt der Energiebedarf und es wird entsprechend mehr Cortisol freigesetzt. Diese Reaktion ist wichtig und erwünscht - und ermöglicht die sinnvolle Anpassung an die erhöhte Anforderung. Nur: die Menge und Dauer der Cortisolfreisetzung dürfen nicht „außer Kontrolle“ geraten. In der Stressdiagnostik ist daher eine sorgfältige Analyse der Cortisolfreisetzung wichtig, welche auch gewisse Einflussfaktoren (wie z.B. die tageszeitliche Schwankung des Cortisols) berücksichtigt. Mit dem Stressprofil BASIC wird die sogenannte Cortisol Aufwachreaktion (CAR) bestimmt. Diese misst den morgendlichen Anstieg des Stresshormons Cortisol innerhalb der ersten 45 bis 60 Minuten nach dem Erwachen und kann so Auskunft über das chronische Stresslevel geben. Als Ergänzung kann zusätzlich das Cortisol-Level am Abend gemessen werden; abends sinkt das Cortisol-Level ab. Ein erhöhter Cortisol-Spiegel am Abend kann dazu führen, dass der Körper in „Alarmbereitschaft“ bleibt und kein erholsamer Schlaf möglich ist.

Im Gegenspiel steigt bei sinkender Lichtintensität das Level des Schlafhormons Melatonin an. Melatonin lässt sich ebenfalls einfach und nicht-invasive im Speichel bestimmen. Bei Einschlafproblemen oder einer morgendlichen Tagesmüdigkeit bietet sich eine Kombination aus Cortisol- und Melatonin-Messungen an. Schlafstörungen bedeuten weiteren Stress für den Menschen, weil hier die wichtige Regeneration im Schlaf fehlt.

Bei häufigen Schlafstörungen kann eine Polysomnographie im häuslichen Umfeld (mobiles Schlaflabor) durchgeführt werden. Diese liefert Informationen zum Anteil der Schlafphasen, wie häufig es zu Weckereignissen kommt, ob es Atemaussetzer gibt und vieles mehr.

Die Herzratenvariabilität (kurz HRV) gilt als präziser Marker für die sympathische (also „Fight or Flight“) und parasympathische („Rest and Digest“) Aktivität des autonomen Nervensystems. Durch die HRV-Messung können wir viel über den Stresszustand des Körpers erfahren und ob unser autonomes Nervensystem sich schnell an wechselnde Anforderungen anpassen kann.

Auch mit psychologischen, wissenschaftlich fundierten Fragebögen kann Stress gemessen werden. Stressbezogene Fragebögen erfassen die individuelle Stressbelastung im aktuellen Moment und/oder ob eventuell chronischer Dauerstress vorliegt. 

Stress vorbeugen 

Es ist nicht möglich komplett stressfrei durchs Leben zu gehen. Mit Methoden des Stressmanagements kann man jedoch lernen mit stressigen Phasen besser umzugehen, Ressourcen aufzubauen und die persönliche Resilienz und Gelassenheit zu stärken. Hier ist es wichtig präventive Techniken zu beherrschen und Maßnahmen frühzeitig einzusetzen, - bevor der Stress uns mit all seinen Auswirkungen im Griff hat.

Ein Stressmanagement umfasst dabei immer mehrere Ansatzpunkte und ist multimodal aufgebaut. Zum einen können wir ganz konkret unsere Stressoren angehen, also individuell unterschiedliche Einflüsse, von innen wie außen, die bei uns Stress verursachen. Den ein oder anderen Stressfaktor kann man vielleicht eliminieren, allerdings geht es vordergründig darum, einen anderen Umgang mit den Stressoren zu finden, Stress dadurch zu reduzieren, zu modifizieren und letztendlich zu bewältigen. Hier kommen Methoden und Strategien des sogenannten instrumentellen Stressmanagements zum Einsatz.

Nicht selten setzen wir uns zusätzlich durch unsere Denkweisen und Einstellungen selbst unter Stress. Solche persönlichen Stressverstärker können ebenfalls im Fokus eines Stressmanagement stehen und mit verschieden Verfahren aus dem kognitiven Stressmanagement bearbeitet werden.

Ferner geht es im Umgang mit Stress auch darum, eine gewissen Balance, einen Ausgleich zu einem stressigen Alltag zu finden, denn wie gesagt, man kann Stressoren nicht immer eliminieren. Im regenerativen Stressmanagement werden solche Ausgleiche individuell herausgesucht und aufgebaut.

Einen Überblick über das multimodale Stressmanagement sind in einer angehängten Grafik dargestellt.

Das passende Stressmanagement ist individuell sehr unterschiedlich! Nicht jeder hat die gleiche Persönlichkeit und die gleichen Ressourcen; die Stressoren und deren Intensität können sehr unterschiedlich sein und die Stressdiagnostik individuell unterschiedliche Strategien nahelegen. So hat beispielsweise ein erhöhter Cortisolspiegel im Kontext mit anderen Faktoren eine andere Aussagekraft als ein niedriger Cortisolspiegel. So kann beim einen ein Entspannungsverfahren sinnvoll sein, beim anderen eher ein Aktivitätsaufbau durch Sport und Bewegung.

Auch wenn die Maßnahmen individuell sehr unterschiedlich aussehen können, gelten allgemein wichtige Grundlagen für einen gesunden Umgang mit Stress und einer Wertschätzung der eigenen Gesundheit, welche sich sinnvoll in Vorträgen, Workshops und Kursen vermitteln lassen:

• Ein Grundwissen zum Thema Stress und was Stress für den Menschen und seine psychische wie auch physische Gesundheit bedeutet.

• Eine Analyse und ein Verständnis der eigenen Person, der individuellen Situation einschließlich der Ressourcen, punktuell ergänzt durch eine psychobiologische Diagnostik.

• Eine präventive Aneignung von wirksamen Maßnahmen, die frühzeitig sinnvoll einsetzend gesundheitlichen Auswirkungen von Stress entgegenwirken.

• Die Einsicht, dass ein offener Umgang mit Stressoren hilfreich ist und im Austausch mit Kollegen oder durch niedrigschwellige professionelle Begleitung ergänzt werden kann.

Vertiefendes Material

Unter folgendem Link finden Sie noch weitere Informationen zum Themenbereich Stressprävention durch Stressexpertise.

Das Passwort hierfür erhalten Sie in der Seminarveranstaltung:

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